Österreich in 200 Jahren ein Land ohne Äcker und Wiesen?

26.06.2019


Beim internationalen Symposium „Bodenschutz durch Raumplanung“ auf der Boku in Wien präsentierten hochkarätige Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die aktuellen Entwicklungen zum Thema Bodenschutz durch eine geordnete Raumentwicklung.

In der Diskussion um den Bodenverbrauch spielen Gemeinden als Bau- und Flächenwidmungsbehörden eine wichtige Rolle.
Jedes neue Bauvorhaben verbraucht einerseits Grund und Boden und bringt andererseits Einnahmen aus der Kommunalsteuer. Dies führte in den letzten Jahrzehnten zu einer massiven Zersiedelung.

„Das größte Umweltproblem in Österreich ist der enorme Bodenverbrauch. Österreich ist Europameister im negativen Sinn, was den Bodenverbrauch betrifft!
So liegt der Bodenverbrauch im Durchschnitt der letzten 10 Jahre bei 20 Hektar oder umgerechnet 30 Fußballfeldern. Wir müssen  konsequent an der geordneten Gestaltung unserer Räume zum Wohle der zukünftigen Generationen arbeiten!“, so Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung und Vorsitzender des Universitätsrats der BOKU Wien, in seinen einleitenden Worten an die 150 Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien.
 
Zirkularwirtschaft

In Österreich gibt es das Phänomen, dass laut Zahlen des Umweltbundesamtes mehr als 40.000 Hektar Industrie-, Gewerbe- und Wohnimmobilien leer stehen. Das entspricht in etwa der Fläche von Wien.
Gerade die Sanierung des Leerstands unter dem Motto „Lieber sanieren statt Wiesen und Äcker neu zubetonieren“, schont die Umwelt und schafft tausende Arbeitsplätze. Ein perfektes Beispiel, bei dem sich Ökologie und Ökonomie ergänzen und das kluge Volkswirtschaften und Unternehmen bereits erkannt haben.

Ein österreichweites Best Practice Beispiel ist Burgenlands größte Wohnbauträger, die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft.
Sie kauft gezielt leerstehende Immobilien wie z.B. Gasthäuser oder Gewerbeimmobilien auf und revitalisiert sie für modernes Wohnen.
 „Wir können alle etwas dazu beitragen, Boden zu erhalten", bringt es OSG-Chef Dr. Alfred Kollar auf den Punkt.
„Wir wollen Herausforderungen wie der Zersiedelung entgegentreten. Im Wesentlichen geht es uns darum, dass Reserven bebaut und Ortskerne belebt werden und darum, eine positive Entwicklung der Gemeinden und der Wirtschaft zu ermöglichen und gleichzeitig wertvolle Grünräume zu schützen.“

 
Gruppenfoto v.li. - Dr. Alfred Kollar, Vorstandsvorsitzender Oberwarter Siedlungsgenossenschaft; Dr. Christine Haiden, Präsidentin OÖ. Presseclub, Chefredakteurin „Welt der Frauen“; Mag. Alfred Riedl, Präsident Österreichischer Gemeindebund; Univ.Prof. Dr. Silvia Tobias, Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Schweiz; Ass.Prof. DI Dr. Walter Seher, BOKU-IRUB; Univ.Prof. Dr. Gernot Stöglehner, BOKU-IRUB; Josef Moosbrugger, Präsident Landwirtschaftskammer Österreich; Dr. Kurt Weinberger, BOKU-Universitätsratsvorsitzender und ÖHV-Vorstandsvorsitzender; DI Christian Härtel, Leiter räumliche Entwicklung, MA22, Wien; Univ.Prof. DI Dr. Marianne Penker, BOKU-INWE; DI Franz Grossauer, MAS, BOKU-IRUB; Mag. Johannes Tratter, Landesrat Tirol; Univ.Prof. Dr. Stefan Siedentop, ILS Dortmund; DI Dr. Josef Schwaiger, Landesrat Salzburg

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