23. April 2025

Pressekonferenz: Bauen & Wohnen im Burgenland

Ein Blick zurück & nach vorn
Die Landesgruppe der gemeinnützigen Bauvereinigungen zieht Bilanz

 

Heute stand in Eisenstadt alles im Zeichen des Bauens, Wohnens und Weiterdenkens: Die Landesgruppe der gemeinnützigen Bauvereinigungen Burgenland hat zur Pressekonferenz geladen – mit dabei: die Vertreter:innen der EBSG, B-Süd, Neuen Eisenstädter und der OSG.

Es wurde nicht nur Bilanz gezogen über die Situation der Baubranche im Vorjahr, sondern auch deutlich gemacht, wie wichtig leistbares und nachhaltiges Wohnen in Burgenland auch in Zukunft sein wird.

OSG-Chef Dr. Alfred Kollar hat in seiner Funktion als Obmann der Landesgruppe gemeinsam mit Stellvertreter Ing. Bernd Gerdenitsch einmal mehr gezeigt, wie viel Herzblut und Engagement in ihrer Arbeit steckt. Auch Landesinnungsmeister BM Bernhard Breser hat in seinen Worten betont, wie bedeutend die Zusammenarbeit zwischen Bauwirtschaft und gemeinnützigen Bauvereinigungen ist – besonders in herausfordernden Zeiten wie diesen.

 

Rückblick 2024 – Ein Jahr voller Herausforderungen

„2024 war zweifelsohne ein schwieriges Jahr für die gesamte Bauwirtschaft und daher auch für den gemeinnützigen Wohnbau – österreichweit wie auch im Burgenland“, fasst Dr. Alfred Kollar, Obmann der Landesgruppe, zusammen. Mit 14.400 fertiggestellten Einheiten bundesweit – ein Minus von 9 % im Vergleich zum Vorjahr, 16 % weniger als der Schnitt in den der letzten 10 Jahren – wurde ein historischer Tiefstand erreicht.

Auch im Burgenland konnten mit 730 Wohneinheiten weniger als in den Jahren zuvor übergeben werden, bisher waren es rund 1000 Einheiten pro Jahr. Dennoch: Das Burgenland bleibt Spitzenreiter, was die Bautätigkeit pro Haushalt betrifft – mit einem Anteil von 44 % an Fertigstellungen durch gemeinnützige Bauträger.

Ausblick 2025 – Hoffnung auf Stabilisierung

Für das Jahr 2025 erwarten die vier gemeinnützigen Bauträger des Burgenlands eine leichte Steigerung auf rund 800 Einheiten, mit einer Rückkehr zur Marke von 1000 Wohneinheiten im Jahr 2026.

„Wir sind optimistisch. Für uns ist das Glas ist halbvoll“, so Kollar. Besonders erfreulich: Die Leerstandsrate liegt im Burgenland bei nur 0,4 % – ein österreichweiter Spitzenwert, der die hohe Wohnnachfrage im ländlichen Raum unterstreicht. Als Vergleich sehen wir auf die Nachbarsbundesländer Niederösterreich mit 3,1% und Steiermark mit 4,2 %.

Fokus auf Ortskerne & Nachhaltigkeit

Ein zentrales Anliegen: Bauen im Ortskern statt Zersiedelung. Die Landesgruppe betont ihre Vorreiterrolle bei der Revitalisierung bestehender Strukturen, etwa in Eisenstadt (ehem. Lagerhaus), Rust oder Neusiedl, natürlich aber auch im Mittel- und Südburgenland. Alfred Kollar unterstreicht auch, wie wichtig das Bauen in gewachsene Strukturen ist, um die Kommunen nicht mit Infrastrukturkosten zu belasten – Straße, Gehsteig, Wasseranschlüsse: alles vorhanden. Die Gemeinden brauchen keinen zusätzlichen Euro für Wohn- oder Geschäftsflächen. „Diese Kosten stemmen wir derzeit alleine, speziell bei Ortskernprojekten wünschen wir uns schon, dass wir den erhöhten Aufwand ersetzt bekommen. Wir wünschen uns auch eine Entsiegelungsförderung dafür, dass statt Asphalt schlussendlich Wiese und Grünraum entstehen“, so Kollar.

Dekarbonisierung: Ein Kraftakt für die Zukunft

Der zweite große Themenblock widmete sich der Dekarbonisierung des Gebäudebestands. Ziel: Klimaneutralität bis 2040. Sanierungen und Heizungstausch sind zentrale Maßnahmen.

Bernd Gerdenitsch (Neue Eisenstädter) und Rainer Wallner (OSG) vertreten das Burgenland im bundesweiten Dekarbonisierungsausschuss. Sie setzen auf enge Zusammenarbeit, Know-how-Austausch und eine solide Förderbasis: „Ohne Unterstützung des Bundes werden wir das nötige Sanierungsvolumen nicht stemmen können.“

Bauwirtschaft: Es zeichnet sich ein deutlicher Aufwärtstrend ab

Landesinnungsmeister der Baubranche BM Bernhard Breser sprach offen über die angespannte Situation der Bauwirtschaft: „2024 war wirtschaftlich das härteste Jahr seit der Pandemie.“ Doch er sieht Licht am Ende des Tunnels: Die ersten Auswirkungen der überarbeiteten KIM-Verordnung und leicht gesunkene Zinsen zeigen Wirkung.

„Wir hören oft: 'Bauen ist nicht mehr leistbar' – aber das stimmt so nicht. Die Bauwirtschaft arbeitet mit minimalen Margen und unter großem Druck. Es braucht eine differenzierte Sichtweise und ehrliche Diskussion“, betonte Breser. Er betont auch, dass die steigenden Zahlen der Kollektivvertragslöhne, die exorbitanten Preissteigung der Materialen und die Kosten für Bauplätze hier schuld sind.

Appell an die Politik

Ein besonders dringliches Thema: Fehlende Neubau-Förderung im Burgenland. Seit Juni 2022 erhalten die vier gemeinnützigen Bauträger keine Wohnbauförderung für Neubauten seitens des Landes Burgenland.

„Wir hoffen sehr, dass die neue Landesregierung hier eine konstruktive Lösung mit uns erarbeitet. Wir möchten gerne an den Gesprächen teilnehmen und haben auch schon einen Termin avisiert“, so Kollar abschließend. Gespräche seien bereits anberaumt – nun gelte es, diese auch mit konkreten Ergebnissen zu füllen.

Gemeinsam für ein lebenswertes Burgenland

Die Vertreter:innen der Landesgruppe zeigten sich entschlossen, weiterhin alles daranzusetzen, leistbaren, nachhaltigen Wohnraum im Burgenland zu schaffen. Mit Herzblut, Innovationsgeist – und hoffentlich bald wieder mit der nötigen Unterstützung von Bund und Land.

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